Johanni – der traditionelle Abschied von Spargel

Egal ob eingewickelt in würzigen Katenschinken, gratiniert im Ofen oder knackig aus der Pfanne: Seit Mitte April genießen wir Spargel, doch damit ist jetzt Schluss. Der Johannistag am 24. Juni markiert traditionell das offizielle Ende der deutschen Spargelsaison und wird oft auch als „Spargelsilvester“ oder „Johanni“ bezeichnet. Das Fest folgt auf die Sommersonnenwende (20.-22. Juni) und ist mit Bräuchen, wie dem Flechten von Johanniskränzen oder dem Johannisfeuer verbunden.

Was ist das Johannisfest überhaupt?

Johanni markiert im christlichen Glauben die Geburt Johannes´ des Täufers am 24. Juni. In mehreren Ländern wie Dänemark, Norwegen und Schweden ist der Johannistag ein religiöser Feiertag. In der Landwirtschaft gilt er als ein sogenannter „Lostag“. Das Wetter des Tages soll die kommende Erntezeit vorhersagen. Außerdem existieren Bauernregeln wie „Bis Johanni nicht vergessen: Sieben Wochen Spargel essen“, sowie „Erst nach dem Tag von St. Johann, der Bauer sein Korn loben kann.“

Warum endet die Spargelzeit an Johanni?

Dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung. Wenn wir auch in der nächsten Saison wieder große Mengen an Spargel genießen wollen müssen wir unserem Lieblingsgemüse eine Pause geben. Jede ausgewachsene Spargelpflanze liefert 3-5 Stangen pro Jahr. Nach der Ernte muss die Pflanze wachsen und bildet das buschige Spargelkraut. Durch Photosynthese kann der Spargel Energie sammeln und diese in der Wurzel einlagern. So hat er im Frühjahr wieder Kraft, um neu auszutreiben. Insgesamt benötigt die Spargelpflanze nach der Ernte mindestens 100 Tage Ruhe vor dem ersten Herbstfrost.

Was uns bleibt, ist der Katenschinken

Bild: ©Hendrik Kossmann Photographie – stock.adobe.com

Es gibt viele Möglichkeiten Spargel zu genießen, wobei vor allem der Holsteiner Katenschinken ein populärer Spargelbegleiter ist. Der kräftige, monatelang gereifte Schinken bildet das perfekte, salzig-würzige Gegenstück zum milden, leicht bitteren Aroma des weißen Spargels. Das Timing der Herstellung des Katenschinkens passte früher perfekt in den bäuerlichen Kalender.

Im Winter geräucherter Schinken hatte im Frühjahr genau den richtigen Reifegrad erreicht, um zusammen mit dem frischen Frühlingsgemüse verzehrt zu werden. Wenn mit dem Johannistag die Spargelzeit nun also traditionell ihr Ende findet, verabschieden wir das königliche Gemüse wehmütig vom Teller – jedoch mit der schmackhaften Gewissheit, dass uns zumindest der Katenschinken bleibt. Im nächsten Frühjahr können wir das kulinarisches Traumpaar wieder gemeinsam genießen.

Beitragsbild: ©JAN RAIBER – stock.adobe.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner