Während der Herbst in den Startlöchern steht, nehmen die Freisprechungen des Fleischerhandwerks ein Ende. Jeden Sommer zwischen Juni und August werden zahlreiche erfolgreiche Auszubildende feierlich in den Gesellenstand erhoben und erhalten ihre Gesellenbriefe. Seit etwa achthundert Jahren schon markieren Freisprechungen im Handwerk den offiziellen Abschluss der Lehr- und Ausbildungszeit. Das Beitragsbild zeigt eine Freisprechung der Fleischerinnung Hamburg in der Handwerkskammer Hamburg.
Woher kommt der Name?
Im Mittelalter hatte die bestandene Gesellenprüfung für junge Fleischerinnen und Fleischer neben der Erhebung in den Gesellenstand noch eine weitere Bedeutung. Während der gesamten Ausbildungszeit gehörten Lehrlinge zum Familienverband des Meisters. Dieser nahm während der Ausbildung eine Art Vaterrolle ein und verfolgte die Lernentwicklung seiner Schützlinge genau. Sie lebten meistens im Haus des Meisters, waren jung und rechtlich stark an ihn gebunden. So war eine Hochzeit während der Lehrlingszeit undenkbar. Mit erfolgreichem Abschluss der Fleischerausbildung trat die frischgebackene Gesellin bzw. der frischgebackene Geselle nun aus dieser engen Verbindung heraus. Ab diesem Moment war sie oder er ganz frei und hatte die Möglichkeit sich einen neuen Betrieb zu suchen oder sogar zu heiraten.
Mit der Zeit entstanden einige Bräuche, die die Wichtigkeit des Festtages zum Ausdruck bringen. Diese wurden vor allem von sogenannten „Zünften“ vorangetrieben. In Zünften hatten sich Handwerker zusammengeschlossen, um ihre Interessen gegenüber dem Adel zu vertreten. Innerhalb der Zünfte fanden Wahlen und Sitzungen statt. Mit der Aufhebung der Zünfte in Deutschland, Ende des 19. Jahrhunderts verschwanden auch viele Traditionen.

Heute finden die Freisprechungen in Innungen statt. Innungen sind die Nachfolger der Zünfte und vertreten die Interessen der Betriebe gegenüber der lokalen Politik. Um den festlichen Charakter des besonderen Tages zu erhalten, finden Freisprechungen häufig nicht in einfachen Festsälen, sondern in den Handwerkskammern statt. Diese Räumlichkeiten sorgen mit ihren traditionell, kunstvoll verzierten Fenstern für eine einzigartige Stimmung.
Wie geht es nach der Freisprechung weiter?
Nach der erfolgreichen Gesellenprüfung und der traditionellen Freisprechung eröffnet sich für Junggesellinnen und Junggesellen im Fleischerhandwerk der Einstieg ins Berufsleben auf vielfältigem Wege. Es besteht die Möglichkeit der direkten Arbeit im Ausbildungsbetrieb oder auch des Wechsels in andere Betriebe. Möchte man sich selbstständig machen, ist der Meistertitel der nächste Schritt. Als Meisterin oder Meister kann man zum Beispiel Führungsaufgaben in einem Betrieb übernehmen und Lehrlinge ausbilden. Nach der dreijährigen Ausbildung im Fleischerhandwerk sollte man für die Meisterschule ungefähr drei bis fünf Monate einplanen. Eine Freisprechung markiert also nicht nur den Abschluss von drei lehrreichen Jahren, sondern eröffnet der Junggesellin, dem Junggesellen gleichzeitig eine vielfältige Welt an Entwicklungsmöglichkeiten.
Bilder: Fleischerverband Nord




